Khadan Vardi, geboren in Westenende bei Kuslik Mein Name is Khadan Vardi... ich bin vermutlich der uninteressanteste Magier, den diese Welt je gesehen hat. Ich stach noch nie in etwas heraus. Schon meine Kindheit verlief unspektakulär, alles war darauf ausgerichtet, eine magische Ausbildung zu erhalten, und so entschied ich mich zwar entgegen des Wunsches meiner Eltern für die Halle der Antimagie statt der von ihnen bevorzugten Anatomischen Akademie, aber "magische Ausbildung ist immer noch magische Ausbildung" - trösteten sie sich selbst darüber hinweg und akzeptierten meine Wahl schlussendlich. Das Studium verlief 1 Jahr lang unaufgeregt, ich war weder unter den besten, noch unter den schlechtesten Schülern und wurde wie schon mein Leben lang irgendwie vom Strom mitgerissen. Da traf ich sie: Liana. Liana war so vollkommen anders als alle Menschen, die ich bis dahin traf. Ihr Herz war so rein, ihre Seele so unverdorben, und ihr Blick so sanft. Sie war zwar mit ihrer unerschütterlichen positiven Einstellung zu alles und jedem automatisch ein wenig naiv und gutgläubig, aber auf der anderen Seite auch nicht dumm genug, sich ernsthaft in Gefahr zu begeben. Ich war ihr von Anfang an verfallen, und ich preise Rahja bis zum heutigen Tage dafür, dass das aus mir unerklärlichen Gründen auch andersherum der Fall war. Mit ihr war alles einfacher und gemeinsam fassten wir im letzten Jahr der Ausbildung den Entschluss, danach die Welt zu bereisen und Menschen überall zu helfen, die Hilfe benötigen. Liana wollte die Welt zu einem noch besseren Ort machen und dorthin gehen, wo horasische Magier sonst nie hingingen. Und nebenbei könnte man so die Welt erkunden, bereisen und kennen lernen, sich Wissen aneignen und vielleicht eines Tages zur Völkerverständigung beitragen. Das war der Wunsch, den sie hatte, und ich war bereit, diesen Weg mit ihr zu gehen. Hauptsache, ich war bei ihr und sie bei mir. Und dann kam alles anders. Liana wurde kurz vor Abschluss der Ausbildung von einer geheimnisvollen Krankheit befallen - ich vermute heute, es war eine Art Fluch. Heilkunde klassischer Art und Heilmagie - nichts, was wir ausprobierten, funktionierte. Ihr Zustand verschlechterte sich über die Zeit, aber wir konnten zumindest noch unseren gemeinsamen Abschluss feiern. Die Zeit danach befand ich mich fast aussschließlich bei Ärzten, Heilmagiern, in Apotheken, Badehäusern und Bibliotheken auf der Suche nach einer Möglichkeit, die Krankheit zu heilen oder den Fluch zu brechen. Doch nichts half, ich vergeudete meine Zeit mit der erfolglosen Suche nach einer Lösung, wenn ich einfach nur hätte bei ihr sein und jede Sekunde kostbarer Zeit in ihrer Gegenwart verbringen sollen... Liana starb wenige Monate später und brach mir das Herz und alles andere, was brechen konnte. Ich hatte zum ersten Mal einen Sinn in meinem Leben gesehen und nun war der einzige Mensch, der mit etwas bedeutete und mir diesen Sinn gab, nicht mehr da. Ich wurde depressiv und schaffte es über 1 Jahr lang kaum aus dem Haus zu gehen, bis ich endlich eine Entscheidung traf, die mein Leben von nun an bestimmen sollte: Ich würde Lianas Wunsch trotzdem erfüllen, ich würde unseren Weg gehen, den sie so gern gegangen wäre, für uns beide. Ich würde die Welt bereisen, Menschen helfen, heilen, und die Welt zu einem besseren Ort machen, so wie sie es getan hätte, wenn sie die Chance dazu gehabt hätte. *** Mein Weg führte mich daher zuerst nach Donnerbach. Die Anatomischen Akademie schied aus, da ich bereits ohnehin einen Haufen Schulden angehäuft hatte und ich auch nicht noch weitere Jahre lernend im Horasreich verschwenden wollte, um ein Zweitstudium zu beginnen. Das Seminar von Donnerbach erschien mir daher als guter erster Anlaufpunkt, um hier eventuell ein wenig mehr über Heilkunde zu lernen, auf dem Weg könnte ich Menschen helfen und ein wenig Geld verdienen, um den riesigen Berg an Schulden abzubezahlen. Doch ich überschätzte die Gastfreundlichkeit, die ein Graumagier bekommen sollte. Und ich unterschätzte die Bereitschaft von Menschen, sich helfen zu lassen. Die meisten trauten mir nicht oder waren nicht interessiert daran, sich von einem "überteuerten Magier" helfen zu lassen. Geiz, Stolz und Misstrauen waren überall schon vorausgegangen auf meinem Weg. Klar, gab es gelegentlich auch ein paar wenige verzweifelte Menschen, die für solche Emotionen keine Reserven mehr hatten und denen ich mit ein paar Zaubern oder körperlichen Tätigkeiten aushelfen konnte. Einmal kümmerte ich mich ganze drei Wochen lang um eine Schafherde, weil dem Viehzüchter alle Hirten abgesprungen waren und er selbst zu alt und gebrechlich war, um sich selbst darum zu kümmern. Aber in Gedanken an Liana war es das alles trotzdem wert. Ich würde helfen. Ich würde zwar nicht viel tun, aber immerhin etwas. Das redete ich mir immer und immer wieder ein. Endlich in Donnerbach angekommen erhielt ich zusammen mit ein paar Abenteurern den Auftrag, Nalia, die verschwundene Tochter des Akademieleiters zu finden. Wir fanden recht schnell heraus, dass sie in Richtung Nebelmoor unterwegs war, eine Gegend, die ich schon auf dem Hinweg bewusst vermieden hatte. Gemeinsam trafen wir dort sogar auf einen freien Dämonen, den wir mit letzter Kraft besiegen konnten, nachdem ich zwischenzeitlich bereits mit meinem kümmerlichen Leben abgeschlossen hatte. Wir brachten Nalia zur Akademie zurück und ihr Vater, der Akademieleiter, unterbreitete mir ein Angebot: ich solle seine Tochter bis nach Gareth begleiten, wo sie studieren wollte, dann könne ich - ohne Kosten - eine Zweitausbildung beim Seminar durchführen. Ein verlockendes Angebot, dem ich schlussendlich auch zustimmte. Allein auf unserer Reise nach Trallop passierten die merkwürdigsten Dinge. Wir gerieten unter anderem in einen Schelmenzirkus, ein Mordkomplott, der mit der Kaiserlichen Geheimen Informationsagentur zu tun hatte, trafen Schmuggler und von Banditen gefangene Sklaven und das Leben machte zum ersten Mal seit ihrem Tod ein wenig Sinn. *** Dann war diese verfluchte Frau und ihre Kinder, die mit leeren Augen bei ihr wohnten. Ich wollte helfen, doch mein Heilzauber... tötete sie. Ich hatte einen Menschen umgebracht. Die Söhne waren mir nicht einmal böse, doch in mir war wieder etwas zerbrochen. Wieder hatte ich einen Menschen verloren, sogar getötet. Ich machte die Welt nicht zu einem besseren Ort. Dies bestätigte sich kurze Zeit später, als uns eine Mitreisende verriet und als Schwarzmagierin entpuppte, die Trallop unter ihre Kontrolle bringen wollte. Wir konnten dies mit Müh und Not verhindern, doch wieder waren Menschen gestorben. Und ich hatte sie auch noch in die Stadt gebracht. Wieder war ich verantwortlich dafür, dass Menschen starben. Sicherlich nicht absichtlich, doch offensichtlich folgte mir der Tod. Ich, der sich geschworen hatte, niemals jemanden zu töten, um ein Ziel zu erreichen, hinterließ Leichenberge. In Trallop verließen uns außerdem alle anderen Mitglieder der Abenteuerergruppe aus Donnerbach, um anderen Dingen nachzugehen. Ich war nun allein mit Nalia. In Braunsfurt folgte mir der Tod weiter. Ein Untergrundboss namens Thibaut Durant beschuldigte mich unrechtmäßig des Mordes und Diebstahls von Koschbasalts. Wir konnten zwar dem Kerker und der Stadt entkommen, aber auch hier blieben hilflose Menschen zurück, die meine Hilfe gebraucht hätten, und wieder eine Leiche. Auch wenn ich dieses Mal nicht einmal indirekt damit zu tun hatte. Wäre Liana nur hier, dann... würde sie etwas Gutes daraus machen. Mit ihr wäre alles besser gelaufen. Sie hätte vermutlich auch mich getröstet und aufgefangen. Aber sie ist nicht hier und alles, was ich versuche, geht schief. Das Einzige, was ich bisher geschafft habe, ist, Nalia am Leben zu halten, und das war bislang, weiß Hesinde, nicht immer ganz einfach. In gewisser Weise ist sie sogar ein wenig wie du, Liana, nur nicht so schlau, und nicht so schön und nicht so... perfekt in jeder Hinsicht. Mir bleibt nur übrig, weiterzumachen. Ich kann diesen Traum nicht aufgeben, denn das würdest du nicht wollen. Ich führe dich in meinem Herzen überall hin und hoffe, du hilfst mir, dass mir Leben statt Tod folgt, Freude statt Trauer, und die Welt wirklich zu einem besseren Ort wird. Ich gebe mein Bestes. Auch wenn es nicht viel ist. Mehr kann ich wohl nicht tun.